Familienverband Kahl(c)ke e.V.


Familientag am 18. September 2005 in Uetersen


Zum Familientag 2005 am Sonntag, dem 18. September 2005, konnte der amtierende Vorsitzende, Claus Kahlke, Altenholz, im "Parkhotel Rosarium" in Uetersen, rd. 40 Kahl( c)kes einschließlich der Gäste begrüßen; angesichts unserer Mitgliederzahl von 65 eine beachtliche Beteiligung. Das spricht für ein nach wie vor starkes Interesse und einen ungebrochenen Zusammenhalt unserer Großfamilie. Unsere Befürchtung, die just auf diesen Termin vorgezogene Wahl zum Deutschen Bundestag könnte sich als Hindernis erweisen, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die Mehrzahl der Teilnehmer kam wie bei früheren Treffen aus der näheren und weiteren Umgebung Uetersens bis hin nach Boostedt und Kiel, einige hatten jedoch selbst die Strapaze weiter Anfahrten nicht gescheut (z.B. von Molbergen, Lathen, Winsen /Aller, Hambühren, Wolfsburg), um den Familientag zu besuchen. Die weiteste Anreise (mit einem Smart) hatten Hans-Joachim Kahlke und seine Partnerin aus Heidelberg hinter sich; sie hatten den Besuch bei Freunden mit einem Abstecher nach Uetersen verbunden. Herzlicher Applaus der Versammlung belohnte diesen hohen Einsatz.

Wie im Vorjahr - deshalb hatten wir es erneut als Tagungsort gewählt - bot das "Parkhotel" mit seinem gepflegten Ambiente, ansprechender Küche, aufmerksamem Service und nicht zuletzt der traumhaften Lage im Rosarium einen gelungenen Rahmen.

In seinem Bericht über die "Modernisierung des Archivs" spannte Nikolaus Kahlcke, Molbergen, den Bogen von dem bereits in der Gründungszeit des Familienverbandes begonnenen Aufbau des Archivs, der mit den Namen der Brüder Max und Walter Kahlke sowie mit Emil Kahlcke, dem langjährigen ersten Archivar, eng verbunden ist, bis hin in unsere Zeit. Er wies auf die Verdienste von Anneliese Kahlcke, Kiel, hin, die nach dem Tod ihres Onkels Emil das Archiv sicher gestellt und zusammen mit Luise Ladewig, Neuendeich, gepflegt und erweitert hat. Bereits in der Vergangenheit leistete das Archiv wertvolle Dienste, z.B. bei den Veröffentlichungen des Familienverbandes in den letzten Jahren und bei Auskunftsersuchen.

Eine auch den künftigen Anforderungen genügende Aufbewahrung und Aufbereitung scheiterte bisher an den technischen Voraussetzungen und den räumlichen Gegebenheiten. Die elektronische Datenverarbeitung bietet hier die große Chance, in einem ersten Schritt alle wichtigen Werke, Dokumente, Schriftstücke und sonstigen Urkunden zu erfassen, zu speichern und damit dauerhaft zu sichern.
Der Vortragende verwies darauf, dass seine Tochter Ulrike Brüggemann, Lathen, Beiratsmitglied im Vorstand des Familienverbandes, und er selbst sich bereit erklärt haben, diese Aufgabe zu übernehmen und bereits mitten in der Arbeit sind. Die Archivbestände wurden inzwischen nach Lathen verlagert. In enger Abstimmung aller Beteiligten hat der Vorstand/Beirat den Kauf eines verbandseigenen PC nebst dem nötigen Zubehör (Monitor, Drucker, Scanner etc.- Kosten rd.900,---) beschlossen und dem Archiv zur Verfügung gestellt; die laufenden Kosten für Software und sonstiges Material der Archivierungsarbeit werden vom Familienverband getragen.
Nach dem Bericht wurde das Archivmaterial zwischenzeitlich gesichtet und geordnet; nächster Schritt ist die Katalogisierung. Der Katalog soll möglichst zum diesjährigen Familientag im Druck erscheinen. Nach der Katalogisierung oder parallel dazu werden die Materialien auf Datenträgern gespeichert. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, nach dem Katalog Auskünfte abzurufen, um das Archiv so allen Familienmitgliedern, aber auch anderen Interessenten zu erschließen und zugänglich zu machen. Mit dem so modernisierten Archiv wird die Anregung und Hoffnung verbunden, dass dem Familienverband weiteres Material über unsere Familie, z.B. auch aus Nachlässen zur Verfügung gestellt wird.
Einzelheiten der Archivnutzung durch Mitglieder und Nichtmitglieder wie Zugangsvoraussetzungen, Sicherung, Datenschutz, Kostenbeteiligung bedürfen noch der Regelung. Auch muss das Eigentum des Familienverbandes am Archiv noch in der Satzung verankert werden.

Die Versammlung nahm diesen Bericht mit lebhaftem Interesse entgegen. Der Vorsitzende dankte Ulrike Brüggemann und Nikolaus Kahlcke für die bereits bisher geleistete beträchtliche Arbeit, die - und das muss besonders betont werden - auf einem hohen ehrenamtlichen Engagement beruht.


Claus Kahlke stellte das neue Buch "Auf den Spuren Hartich Kalekes" vor. Es beruht auf einem Vortrag, den Anneliese Kahlcke anlässlich unseres Familientages im April 1993 in Itzehoe gehalten hat. Es ist das mittlerweile sechste Werk, das unser Familienverband veröffentlicht. Der Verfasserin gebührt der Dank aller Mitglieder des Verbandes für das gelungene Ergebnis.
Drei mittelalterliche Urkunden (vom Januar 1479, Januar 1513 und Mai 1513), die glücklicherweise die Zeiten überdauert haben und heute im Kreis- und Stadtarchiv Itzehoe verwahrt werden, legen in einem episodenhaften Ausschnitt ein frühes Zeugnis von Existenz und Wirken unseres Vorfahren Hartich Kaleke und seiner Frau Elsabe in Itzehoe sowie von ihrem stattlichen Haus "De Hagedorn", heute "Steinburg", Breite Straße 2, ab.
In dem Buch werden zunächst das geschichtliche Umfeld und der Inhalt der (Schuld-)Urkunden beschrieben und erläutert; es geht um eine Kreditaufnahme und deren nicht ganz reibungslose Abwicklung. Dem weiteren Schicksal des Hauses ist der zweite Teil des Buches gewidmet. Im umfangreichen Anhang sind die Urkunden mit Übertragung in die heutige Schrift und Übersetzungshilfen, die Verbindungen zur Itzehoer Liebfrauen-Gilde, deren Mitglied Hartich war, sowie eine Reihe von Abbildungen zur Lage und zum Aussehen des noch heute, allerdings nicht mehr im Originalzustand, sondern als eindrucksvoller Renaissancebau des 17. Jahrhundert dort stehenden Hauses dargestellt.
Beim Familientag erhielten alle anwesenden Mitglieder unentgeltlich eine Ausgabe des Buches; den anderen Familienmitgliedern überreichen wir das Buch mit diesem Schreiben und dem Wunsch zu einer erbaulichen Lektüre. Falls weiterer Bedarf besteht: Preis (Herstellungskosten) für Mitglieder 9,--, für Nichtmitglieder 12,--.

Das Nachmittagsprogramm sah einen Vortrag zu "Besitzwahrung und Familienstrategie. Heiratsverhalten von Elbmarschenbauern zwischen 1600 und 1950" vor. Mit Oberarchivrat Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Glückstadt, haben wir hierfür einen über die Landesgrenzen hinaus bekannten Sozialhistoriker - Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holstein und Leiter der Detlefsen-Gesellschaft, Glückstadt,- gewinnen können. Wer nun ein trockenes, bestenfalls für ein fachlich vorgebildetes Publikum geeignetes Referat erwartete (befürchtete), wurde angenehm überrascht. Leicht und locker, trotzdem fundiert trug der Redner das Thema vor. Er führte aus, dass die Landwirtschaft in den Elbmarschen seit ihrem Beginn im 12. Jahrhundert auf die Produktion von Agrarüberschüssen und damit marktorientiert ausgerichtet war. Neben den bäuerlichen Grundbesitzern (Hufnern, Bauleuten) mit Hofgrößen von i.d.R. 20-30ha, die sich erst im ausgehenden 18. Jahrhundert durch Kauf und Vererbung auf bis zu 40ha vergrößerten, gab es seit dem 16.Jahrhundert die nicht ohne soziale Spannungen wachsende Schicht der (land-armen/-losen) Kätner und (haus- und landbesitzlosen) Insten. In guten Zeiten konnten die sprichwörtlich "reichen Marschbauern" z.T. beträchtliches Vermögen anhäufen, das sie häufig durch die "richtige" Heirat mit einem Partner, der "Klei an de Hacken" hatte (Landbesitz mitbrachte) noch vermehrten, plattdeutsch deftig umschrieben: "De Düvel schitt jümmers op den gröttsten Hümpel". Bei Eheschließungen blieb man unter sich und überwiegend in der engeren Nachbarschaft der eigenen Marsch oder gar des eigenen Dorfes, wie Dr. L-S. durch seine Untersuchungen am Beispiel des Dorfes Neuenbrook in der Kremper Marsch aufzeigte. Für die Hofnachfolge herrschte in den Elbmarschen das Jüngstenerbrecht vor, die weichenden Erben wurden standesgemäß (reichhaltig) ausgestattet. Dr. Lorenzen-Schmidt beendete seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, dass sich seit etwa 1950 dieses traditionelle Hofübergabe- und Eheschließungsverhalten wegen der deutlichen Krise der Landwirtschaft und gewandelter Berufsperspektiven der Bauernkinder tiefgreifend und nachhaltig verändert hat. Anhaltender Beifall und eine lebhafte anschließende Diskussion belohnten den aufschlussreichen Vortrag.

Mit Gesprächen bei Kaffee und Kuchen und/oder einem Spaziergang durch das spätblühende Rosarium klang das gelungene Familientreffen aus.